Die erforderliche Transformation des Amateurfunkdienstes
...

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie
Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG)
sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.
Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema.
Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken
anregen und das soll sie auch!
Es wird Zeit, dass sich was tut am Amateurfunkhimmel. Da der DARC
e.V. diesbezüglich leider nicht viel hinbekommt und immer noch an alten Strukturen
festhält, hier der Versuch dem Amateurfunkdienst einen neuen
Anstrich zu geben und ihn für die Zukunft zu transformieren.
Die Amateurfunkgeschichte
Zunächst muss man festhalten, dass der Amateurfunkdienst auf eine
jahrzehntelange Geschichte zurückblicken kann. Diese Geschichte
wollen wir nicht vergessen, wir wollen sie aber nicht zum aktuellen
Inhalt machen, sondern versuchen in die Zukunft zu schauen.
Ebenfalls
angesprochen werden müssen rechtliche Rand- und Rahmenbedingungen,
die man bei der Transformation natürlich berücksichtigen muss.
Alles
andere gehört auf den Prüfstand!

Guglielmo Marconi war ein italienischer Physiker und Erfinder (* 25. April 1874 in Bologna,
+ 20. Juni 1937 in
Rom)
Das Ziel
Ziel ist es, den Amateurfunkdienst weg von den
traditionellen Inhalten und hin zu einem modernen Amateurfunk
zu transferieren. Dazu sind alle Funkamateure aufgerufen, nicht nur
die DARC e.V. Mitglieder.
Die Rolle des DARC e.V.
Oberste Priorität hat, dass alle Funkamateure
diese Notwendigkeit erkennen, der DARC e.V. nicht nur seinen
Mitgliedern eingeschränkte Mitwirkungsrechte einräumt, sondern als
"Bundesverband für den Amateurfunk" allen
Funkamateuren eine Plattform für einen übergreifenden Diskurs und
Zusammenarbeit bietet
und die Amateurfunkcommunity nicht in zahlende DARC e.V. Mitglieder
und Nichtmitglieder spaltet.
So lange dieser für den Amateurfunkdienst kontraproduktive
Zustand anhält, wird sich auch nichts fortentwickeln. Die Community
des Amateurfunks besteht aus Funkamateuren der Klassen N, E und A
und nicht aus DARC e.V. Mitgliedern.
Der
DARC e.V.
muss sich von Grund auf verändern und öffnen! In seiner jetzigen
Form ist er vermutlich aus starkem Eigeninteresse nur an
den Mitgliedsbeiträgen interessiert, nicht aber an der echten
Fortentwicklung der gesamten Amateurfunkcommunity. Ich bin mir
sicher, dem DARC e.V. ist
genau diese Situation auch sehr bewusst!
Das vom DARC e.V. oft
verwendete Argument, "In den DARC e.V.
eintreten und mitarbeiten!" ist doch schon seit
Jahren keines mehr. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen,
der Amateurfunkdienst besteht
nicht nur aus
dem DARC e.V., auch wenn das immer wieder gern so dargestellt
und kommuniziert wird.
Wie muss ein moderne Amateurfunkdienst aussehen?
Ein moderner
Amateurfunkdienst hat nur dann gute Zukunftsperspektiven, wenn er
sich klar als Experimentier-, Ausbildungs- und
Krisenkommunikationsplattform positioniert. Besonders stark sind
seine Chancen dort, wo Menschen Technik praktisch lernen, selbst
aufbauen und unabhängig von kommerziellen Netzen kommunizieren
wollen.
Mögliche Zukunftsfelder
- Datenfunk, Netzwerk-gekoppelte Funkanwendungen und
softwaredefinierte Funktechnik machen den Einstieg moderner und
flexibler
- Amateurfunk kann als praxisnahes Lernfeld für Schulen,
Jugendgruppen und Ausbildung dienen (MINT)
- Verbindungen über Satelliten bleiben technisch
attraktiv und zeigen den Experimentiercharakter des Hobbys
- In Not- und Krisensituationen kann Amateurfunk als
unabhängiger Kommunikationsweg relevant bleiben
Was den Dienst stärken würde
- Nachwuchsgewinnung durch offene Workshops, Jugendprojekte und
niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten
- Technische Modernisierung mit Software Defined Radio,
automatisierten Stationen und digitalen Netzwerken
- Öffnung nach außen durch Kooperationen mit Schulen,
Hochschulen, Messen und Technikvereinen
- Praxisnutzen betonen, also Experimentieren, Lernen und
Hilfeleistung statt nur klassischem Sprechfunk
Was den Amateurfunkdienst insgesamt schwächt
- Monopolitisch und immer mehr wirtschaftlich agierender "Bundesverband"
der eigentlich keiner ist
- Stark
eingeschränkte Mitgliederrechte beim DARC e.V.
- Traditionelle und zu konservative DARC e.V. Vereinspolitik
mit hohen Kosten für die Mitglieder
- Immer weniger junge Funkamateure durch verfehlte
Vereinspolitik
- Alternde Teilnehmer und dadurch abnehmende Teilnehmerzahlen
insgesamt
- Große Konkurrenz durch verschiedene Internetdienste
- Veränderte Interessenlage bei jungen Menschen
- Frequenzdruck durch kommerzielle Bedarfsträger und Regulierung
durch die BNetzA
Risiken und Grenzen
Der
Amateurfunk konkurriert mit vielen digitalen Freizeit- und
Kommunikationsangeboten, daher muss sein besonderer Mehrwert
sichtbar werden. Wenn Ausbildung, Technikbezug und Gemeinschaft
nicht bei allen Funkamateuren gepflegt werden, droht
der Rückgang der aktiven Funkpraxis.
Auch Frequenzdruck und neue regulatorische Anforderungen können die
Entwicklung negativ beeinflussen.
Ein moderner
Amateurfunkdienst muss sich vom klassischen Sprechfunk
zunehmend zu einer für alle Funkamateure offenen Lern-, Experimentier- und
Krisenkommunikationsplattform entwickeln, die digitale Technik,
Nachwuchsförderung und unabhängige Kommunikation verbindet.
Was es nicht mehr braucht
Ganz sicher auf den
Prüfstand gehören solche Inhalte wie der "Ham-Spirit"
von 1928 und Begriffe wie "Ham-Radio"
und das deshalb insgesamt sehr angestaubte Image des Amateurfunks.
Der Amateurfunkdienst braucht neue und zeitgemäße Bezeichnungen und
nicht die abgedroschenen Phrasen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Daran scheitert
leider sehr viel, zu groß ist die allgegenwärtige Bindung an
die
Traditionen und die Ursprünge aus der USA.
Wann wird der deutsche Funkamateur endlich erwachsen und löst
sich von althergebrachten und traditionellen Denkmustern?

Paul M. Segal, W9EEA (sk) Erfinder des Ham-Spirit (1928) und der
Ham-Spirit 2026, so wie eine KI ihn sieht.
Ebenfalls auf den
Prüfstand gehört die Tatsache, dass hier in D nur der DARC e.V. über
die Fortentwicklung des gesamten Amateurfunkdienstes als Monopolist "bestimmt und
entscheidet". So wie sich der DARC e.V. in Sachen
IARU Resolution 18-1 als IARU Mitglied
den Funkamateuren gegenüber sperrt, so sperrt er sich
vermutlich auch gegen andere Entwicklungen, die doch so dringend
erforderlich wären, ihm aber nicht in den Kram passen.
Zukunftsperspektiven
eines modernen Amateurfunkdienstes
Der
moderne Amateurfunkdienst besitzt relevante
Entwicklungsperspektiven, da er an der Schnittstelle von technischer
Innovation, nichtkommerzieller Kommunikation und praxisorientierter
Bildung positioniert ist. Seine künftige Bedeutung ergibt sich
insbesondere aus der Verbindung von experimenteller Funktechnik,
digitaler Signalverarbeitung und der Förderung technischer
Kompetenzen im MINT-Bereich.
Ein zentraler Entwicklungspfad
liegt in der zunehmenden Digitalisierung des Betriebs.
Softwaredefinierte Funktechnik, digitale Übertragungsverfahren und
netzwerkbasierte Anwendungen erweitern die technischen Möglichkeiten
des Amateurfunks erheblich und erleichtern zugleich den Zugang für
neue Nutzergruppen. Dadurch könnte der Amateurfunkdienst seine
Funktion als Experimentierfeld für technische Innovationen weiter
ausbauen.
Darüber hinaus muss der Amateurfunkdienst als
Instrument der Bildungs- und Nachwuchsförderung an Bedeutung
gewinnen. Durch
seine hohe Praxisnähe eignet er sich in besonderer Weise zur
Vermittlung von Kenntnissen in Elektrotechnik, Nachrichtentechnik
und Informatik. Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und
außerschulischen Bildungseinrichtungen können dazu beitragen, junge
Zielgruppen für technische Berufe und ehrenamtliches Engagement zu
interessieren.
Ein weiterer zukunftsrelevanter Aspekt ist die
Rolle des Amateurfunks als resilienter Kommunikationsweg für alle
Funkamateure. In
Krisen-, Not- und Ausfallsituationen kann er als unabhängige
Infrastruktur eine ergänzende Funktion übernehmen, insbesondere
dort, wo öffentliche Netze eingeschränkt oder nicht verfügbar sind.
Dieser Nutzen stärkt seine gesellschaftliche Legitimation über den
rein hobbymäßigen Charakter hinaus. Besonders deutlich wird das zur
Zeit in den ständig wachsenden Mesh Netzen, wie
z.B. MeshCom.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Zukunft des
Amateurfunkdienstes wesentlich davon abhängt, inwieweit es gelingt,
technische Modernisierung, gesellschaftliche Relevanz und
Nachwuchsgewinnung miteinander zu verbinden und das auch außerhalb
vom DARC e.V.
Nur unter diesen Voraussetzungen kann der Amateurfunkdienst
künftig auch als innovativer, bildungsrelevanter und
kommunikationspraktischer Dienst weiterhin bestehen.
vy 73 de Jürgen
DL6WAB
www.amateurfunkpraxis.de
- Blogarchiv
