Ergebnis der DARC e.V. Zielplanung aus 2017

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.

Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen und das soll sie auch!


DARC e.V. Zielplanung 2025

Seit 2017 existiert beim DARC e.V. die Zielplanung 2025 , bitte vorab lesen!

Im Jahr 2026 es ist an der Zeit nachzusehen, welche selbstgesteckten Ziele der DARC e.V. in 9 Jahren tatsächlich erreicht hat. Wie effektiv ist der DARC e.V. als Bundesverband überhaupt noch und wie wirkungsvoll beweist er sich noch als echte Interessenvertretung für den Amateurfunk? Wurden die vielversprechenden Ankündigungen des im November 2019 neu gewählten Vorstands auch umgesetzt?

Fragen und Antworten, die potentielle Mitglieder und Nichtmitglieder ganz sicher sehr interessieren. Eine systematische und öffentliche Erfolgskontrolle mit nachvollziehbaren Zielwerten fehlt leider seitens des DARC e.V. überwiegend, sodass manche Bewertungen nur qualitativ möglich sind und zum Teil KI unterstützt ermittelt wurden.

Alle Angaben deshalb auch ohne Gewähr!

Ziel aus der Planung 2017

Erfolge/Misserfolge bis 2025

qualitative Bewertung

Mitgliederzahl und Mitgliederbindung steigen

Der DARC weist Ende 2023 circa 31.650 Mitglieder aus. Historische Statistiken zeigen jedoch einen langfristigen Rückgang von etwa 60.000 Mitgliedern 1995 auf ca. 31.600 Ende 2025. Öffentlich zugängliche Mitgliederstatistiken existieren seitens des DARC e.V. nicht.

Nicht belegt, nicht erreicht

Anteil Jugendlicher steigt

Die neue Einstiegsklasse N, Online-Lehrgänge, Schulstationen, Girls’Day- und MINT-Aktivitäten sprechen für eine stärkere Nachwuchsarbeit. Einen veröffentlichten Nachweis durch den DARC e.V., dass der Jugendanteil messbar gestiegen ist, gibt es jedoch nicht.

Nicht belegt, nicht erreicht

Durchschnittsalter sinkt spürbar

Für den DARC e.V. ist kein belastbarer öffentlich zugänglicher Vergleichswert für 2025 erkennbar. Die überalterte Mitgliederstruktur bleibt nach den verfügbaren Angaben nach wie vor ein großes Problem und wurde nicht gelöst.

Nicht belegt, nicht erreicht

Mehr Schulstationen in allen Schulformen

Der DARC e.V. beteiligt sich am Europatag der Schulstationen und führt zahlreiche Schul-, Hochschul- und MINT-Aktivitäten durch. Eine Gesamtzahl der Schulstationen oder ein Vergleich zu 2017 durch den DARC e.V. fehlt allerdings.

Teilweise erreicht

Lebenslanges Lernen und Weiterbildung fördern

Die Plattform „50 Ohm“, Online-Lehrgänge und Kurse für die neue Klasse N bieten niedrigschwellige Ausbildung. Von 2024 bis 2025 wurden insgesamt 1.159 Amateurfunkzeugnisse der Klasse N ausgestellt.

Erreicht

Mehrgliedriges Lizenzsystem einführen

Die neue Klasse N (Entry Class) wurde eingeführt und etablierte sich 2025. Von 2024 bis 2025 wurden insgesamt 1.159 Amateurfunkzeugnisse der Klasse N ausgestellt.

Erreicht

Technischen Fortschritt fördern

Der DARC e.V. betreibt technische Projekte wie ENAMS, ein Messnetz mit 50 Stationen zur Erfassung des Störpegels, und entwickelte digitale beziehungsweise ferngesteuerte Angebote. 2025 wurde auf der HAM RADIO ein Netz von Remote-Stationen in Betrieb genommen.

Erreicht

Frequenzspektrum erhalten und schützen

Der Amateurfunk konnte wichtige Frequenzpositionen behaupten. Die IARU nennt unter anderem die 50-MHz-Zuteilung in Region 1 und den Schutz der Amateur-Sekundärzuteilung im 23-cm-Band als jüngere Erfolge. Der DARC e.V. wirkt dabei national und international, vor allem über RTA und IARU, mit.

Teilweise erreicht

EMV- und Störungsbearbeitung stärken

Der DARC e.V. unterhält ein EMV-Referat, stellt Formulare und Beratung für BNetzA-Meldungen bereit und betreibt ENAMS. Gleichzeitig bestanden die Störprobleme fort, 2024 registrierte die BNetzA 372 Amateurfunk-Störungsmeldungen.

Teilweise erreicht, Problem aber nicht gelöst

Störfallbearbeitung durch die BNetzA durchsetzen

Es gibt einen digitalen Meldeweg und eine behördliche Bearbeitung. Die hohe Zahl gemeldeter Störungen zeigt aber, dass das strategische Ziel „geringe bis gar keine Probleme“ nicht erreicht wurde.

Nicht erreicht

DARC als maßgebliche politische Stimme etablieren

Der DARC e.V. ist weiterhin in regulatorischen Fragen aktiv, die Frequenzarbeit und die Zusammenarbeit mit RTA, IARU und Behörden (BNetzA) sind sichtbar. Eine unabhängige Messung, wonach der DARC e.V. „auf allen Regierungsebenen“ als maßgebliche Stimme anerkannt wird, liegt aber nicht vor.

Teilweise erreicht

Notfunk als anerkannter Partner von Behörden und Organisationen

Der DARC hat ein Notfunkreferat und kooperierte 2025 mit Notfunk Deutschland e.V. zur Kommunikation in Notfällen. Die Planung 2017  formulierte jedoch einen deutlich höheren Anspruch, Anerkennung als respektierter Partner bei Behörden und Organisationen der öffentlichen Sicherheit (BOS).

Nicht ansatzweise erreicht

Mehr technische Projekte an Schulen, Hochschulen und Universitäten

Die MINT-Förderung wurde 2025 ausdrücklich als Schwerpunkt etabliert. Der DARC e.V. fördert entsprechende Projekte und erhielt 2025 MINT-Auszeichnungen in Baden-Württemberg und Hessen.

Teilweise erreicht

Betreute Technologiewerkstätten in Ballungsgebieten

Dafür finden sich Hinweise auf einzelne Technik-, MINT- und Veranstaltungsangebote, aber kein belastbarer Nachweis eines bundesweiten Netzes betreuter Technologiewerkstätten seitens des DARC e.V.

Nicht belegt, nicht erreicht

Amateurfunkzentrum gemäß ursprünglicher Planung ausbauen

Das Amateurfunkzentrum (AFZ) blieb ein wichtiger Schulungs- und Veranstaltungsort. 2025 feierte das AFZ das Jubiläum seines Seminarprogramms, außerdem gab es dort zahlreiche Veranstaltungen und einen Tag der offenen Tür mit 2.200 Besuchern. Ein Ausbau „gemäß ursprünglicher Planung“ ist daraus jedoch nicht eindeutig ableitbar.

Nicht belegt, teilweise erreicht

Finanzielle Leistungsfähigkeit erhöhen

Für den Gesamtverein liegt hier keine ausreichend belastbare, vergleichbare Kennzahlenreihe vor. Einzelne Distrikte meldeten 2024 Defizite, dass ist allerdings auch kein eindeutiger Beleg, für eine ungeordnete Finanzlage des Gesamt-DARC e.V. Die für 2027 beschlossene Beitragserhöhung spricht eher für "schwierige" finanzielle Verhältnisse.

Nicht abschließend bewertbar, nicht erreicht

Führungsstruktur, Transparenz und Demokratie verbessern

Die Planung verlangte eine klarere Führungsstruktur, weniger Reibungsverluste und stärkere Beteiligung der Basis. Die Veröffentlichung von Versammlungsprotokollen und laufende Mitgliederversammlungen sind formale Transparenzschritte, ein Nachweis einer grundlegenden Strukturreform oder die deutlich stärkere Basisbeteiligung ist nicht ansatzweise ersichtlich.

Nicht ansatzweise erreicht

Zusammenfassung

Ausbildung und Einstieg

Hier ist der Abstand zwischen Ziel und Ergebnis am kleinsten. Die Planung aus 2017 verlangte lebenslanges Lernen und ein mehrgliedriges Lizenzsystem. Mit der Klasse N, der Lernplattform „50 Ohm“ und bundesweiten Online- und Präsenzkursen entstand tatsächlich ein modernerer und niederschwelliger Zugang zum Amateurfunk.

2024 bestanden 343, 2025 bestanden 753 Personen die neue Klasse N-Prüfung. Die Gesamtzahl der 2025 ausgestellten Amateurfunkzeugnisse lag mit 2.090 etwas über dem Wert von 2024 mit 2.010 ausgestellten Amateurfunkzeugnissen. Insgesamt ist die Anzahl der Rufzeicheninhaber aber immer noch rückläufig (2017 = 64548, 2025 = 61105). Eine echte und anhaltende Trendumkehr ist nicht in Sicht.

Das ist ein substantieller Erfolg, auch wenn er sich nicht automatisch in steigenden DARC-Mitgliederzahlen niederschlägt. Prüfungs- und Zulassungszahlen beziehen sich auf alle Funkamateure und nicht nur auf DARC-Mitglieder.

Technik und digitale Angebote

Das Ziel, technischen Fortschritt als Anreiz für den Amateurfunk zu nutzen, wurde in mehreren Formen umgesetzt.

  • ENAMS liefert eine deutschlandweite Datenbasis zur elektromagnetischen Störsituation
  • Der DARC e.V. stellt digitale Lernangebote und Online-Lehrgänge bereit
  • Das DARC-Logbuch wurde weiterentwickelt
  • 2025 wurde ein Netz von Remote-Stationen vorgestellt beziehungsweise in Betrieb genommen

Das entspricht der DARC e.V. Zielplanung, die schon 2017 Software, Remote-Betrieb und digitale Kommunikation als Zukunftsfelder bezeichnete.

Interessenvertretung und Frequenzen

Beim Schutz der Frequenznutzungen ist eine insgesamt vorsichtig positive Bilanz vertretbar.

Die Zielplanung sah intensive Mitarbeit in Normung, EMV und politischer Lobbyarbeit vor. Die erfolgreiche Sicherung beziehungsweise Verteidigung von Frequenznutzungen erfolgt allerdings nicht allein durch den DARC, sondern im Zusammenspiel mit RTA, IARU, nationalen Behörden und internationalen Konferenzen.

Deshalb kann man diesen Teilerfolg noch nicht einmal vollständig dem DARC allein zurechnen, er hat daran lediglich mitgewirkt.

Nicht erreichte Kernziele

Strukturreform, Mitgliederbeteiligung, Transparenz

Der größte Misserfolg liegt bei der demografischen und organisatorischen Entwicklung des DARC e.V. Ein Nachweis einer grundlegenden Strukturreform, die Schaffung einer offenen Diskussions- und Streitkultur und die deutlich stärkerer Basisbeteiligung der Mitglieder ist nicht im Ansatz ersichtlich, obwohl genau dieser Punkt für eine Mitgliedergewinnung und -bindung essentiell ist.

Hier hat der DARC e.V. als Verein (Vorstand, Amateurrat, Distrikte) auf ganzer Linie und vollständig versagt!

Mitgliederentwicklung

Die Planung nannte ausdrücklich drei messbare Ziele, steigende Mitgliederzahl, höherer Jugendanteil und sinkendes Durchschnittsalter. Die öffentlich auffindbaren Zahlen zeigen 2025 jedoch weiterhin einen DARC e.V. mit ca. 31.600 Mitgliedern und einen langfristig stark geschrumpften Mitgliederbestand und einem hohen Durchschnittsalter (> 60 Jahre) der Mitglieder.

Auch die positive Entwicklung bei Prüfungen und Zulassungen hat diesen Trend nicht umgekehrt. 2025 gab es zwar 61.105 personengebundene Amateurfunkzulassungen in Deutschland, aber 210 weniger als 2024. Der DARC e.V. selbst konnte aus dem allgemeinen Interesse am Amateurfunk keinen entsprechenden Mitgliederzuwachs generieren.

Notfunk

Ein dritter offener Punkt ist die öffentliche Anerkennung, insbesondere im Notfunk. Der DARC e.V. hat dafür Strukturen geschaffen und 2025 eine Kooperation mit Notfunk Deutschland e.V. begonnen. Das ist vielleicht ein kleiner Fortschritt gegenüber einem rein internen Referat, belegt aber noch nicht die in der Zielplanung formulierte dauerhafte Anerkennung als Partner aller Behörden und Organisationen der öffentlichen Sicherheit (BOS).

Davon ist man mit dem aktuellen "Notfunkkonzept", das ja DARC e.V. intern und auch extern massiv kritisiert wird, meilenweit entfernt.

Gesamturteil

Gemessen an den im Dokument formulierten Zielen ergibt sich folgende Bilanz:

  • Erreicht: Ausbildung, Klasse N, Weiterbildungsangebote, technische Entwicklung, EMV-Strukturen und praktische Serviceangebote
  • Teilweise erreicht: Erhalt politischer und frequenzbezogener Handlungsspielräume, Schul- und MINT-Arbeit, öffentliche Interessenvertretung, Nutzung und Weiterentwicklung des Amateurfunkzentrums
  • Nicht erreicht: steigende DARC-Mitgliederzahl, stärkere Mitgliederbindung, sinkendes Durchschnittsalter, deutlich höherer Jugendanteil und ein flächendeckendes Netz von Technologiewerkstätten, finanzielle Leistungsfähigkeit
  • Nicht ansatzweise erreicht: Demokratische Basisbeteiligung der Mitglieder, angekündigte Führungs- und Strukturreform, Notfunk

Insgesamt war die Zielerreichung bei den inhaltlichen und technischen Maßnahmen erfolgreicher als bei den strukturellen Ergebnissen. Der DARC e.V. hat einige neue Instrumente geschaffen, aber die zentrale strategische Herausforderung von 2017, die alternde und schrumpfende Mitgliederbasis sowie mehr demokratische Beteiligung der Mitglieder umzusetzen, wurde bis 2025 weder ernsthaft angegangen, noch sichtbar gelöst.

Zudem sind die Ziele im Dokument teilweise nicht mit konkreten Ausgangswerten, Zielwerten oder jährlichen Kennzahlen hinterlegt, was eine präzise Erfolgsmessung nicht nur erschwert, sondern in vielen Fällen quasi unmöglich macht. Eine gängige Praxis, um negative Ergebniss in der Statistik immer noch positiv darzustellen zu können. Nachvollziehbare Zahlen veröffentlicht der DARC e.V. deshalb vermutlich nicht.

Insgesamt gesehen verdient der DARC e.V. für seine "Leistungen" maximal eine "Vier minus". Ob das wirklich "ausreichend" für einen Bundesverband ist, muss bezweifelt werden.

vy 73 de Jürgen
DL6WAB

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