Wie man den Amateurfunk nicht präsentieren sollte!

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.

Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen und das soll sie auch!


Die Videos von Michael (DL2YMR) haben es an den Tag gebracht, als Hauptursache für die schlechte Entwicklung im Amateurfunk wird der DARC e.V. genannt. Der Bundesverband für den Amateurfunk ist also das Hauptübel, ich kann es immer noch nicht fassen.

Aber wie kommt es zu so einer Stimmung? Schauen wir uns mal ein paar Negativbeispiele an, aus der Welt des Ehrenamts und der Öffentlichkeitsarbeit. Da bekommt man als Funkamateur schon einen Schreck, was sollen da bloß junge Menschen denken, wenn sie das lesen oder hören?

Um es vorweg zu nehmen, ich will hier niemandem auf die Füße treten sondern einfach nur aufzeigen, wie solche Auftritte außerhalb der Amateurfunk Community ankommen!

Negativbeispiel 1

Verein hat nur noch drei Mitglieder – Hobby wird immer unbekannter

Der Artikel „Verein hat nur noch drei Mitglieder – Hobby wird immer unbekannter“ greift ein reales, bundesweit bekanntes Problem auf, die Überalterung und der Mitgliederschwund in traditionellen Vereinen. Eine wirklich kritische Einordnung braucht aber mehr Kontext, als der Titel und die typische Lokalberichterstattung liefern.

Alleine die Überschrift lässt mich schon die Stirn runzeln. Was hat der OM denn da der Presse bloß erzählt? Wir waren mal 30, jetzt sind wir nur noch drei und brauchen jetzt ganz dringend neue und zahlende Mitglieder! Was glaubt der OM denn, was jetzt passiert? Dass die fehlenden Mitglieder jetzt in Scharen zum nächsten OV Abend kommen und aus den 3 Mitgliedern wieder 30 werden?

Hat er sich mal gefragt, was aus diesem Bericht junge Menschen dazu motivieren sollte, genau das zu tun? Nein, vermutlich nicht aber, dass ist die übliche Reaktion in DARC e.V. Ortsverbänden auf den Mitgliederschwund!

Dieser Bericht ist das Paradebeispiel für eine katastrophale Öffentlichkeitsarbeit. So etwas schreckt mehr ab als es nutzt.

Negativbeispiel 2

Balinger pflegt Hobby als Amateurfunker und steckt andere an - SWR Aktuell

Zunächst ein schönes Video und eine echte Chance, aber dann kommen sie wieder, die Argumente, die heute niemanden mehr interessieren. Da wird der Amateurfunk wieder als das dargestellt, was er ja auf keinen Fall sein möchte. Rückständig, reaktiv und konservativ. Aber genau das wird mit diesem Video wieder vermittelt.

Alte Geräte, selbst gebaute Geräte in Holzkisten, QSL Karten aus Papier?

Wieder so ein Video, in dem ein Funkamateur stolz das präsentiert was er "erreicht" und "gebaut" hat. Das interessiert vielleicht andere Funkamateure derselben Altersklasse, zur Motivation für den Amateurfunk ist das aber nicht geeignet.

Wieder so ein typisches Binnenvideo!

Negativbeispiel 3

Amateurfunk im Wiesental: Das Hobby bietet für jeden etwas | schwarzwaelder-bote.de

Der Artikel ist eine klassische, wohlwollende Lokalreportage über einen Amateurfunk-„Field Day“ im Wiesental, informativ, aber sehr oberflächlich und sehr einseitig positiv. All die wirklich wichtigen Dinge werden nicht angerissen, der Artikel bleibt bei einer reinen Veranstaltungsnachricht mit vielen Technik-Buzzwords.

Der Artikel ist durchgehend positiv geschrieben („große Resonanz“, „gelungenes Wochenende“, „spannende Vorträge“), die übliche Schreibweise, für wirklich technisch interessierte Leser bleibt der Artikel aber frustrierend vage. Leider ist eine solch positiv übertriebene Berichterstattung im Amateurfunk verstärkt anzutreffen, schaut man aber mal hinter die Kulissen, sieht es ganz anders aus.

Und wenn man sich das beigefügte Bild mal genauer ansieht, findet man, wie im Amateurfunk überwiegend, ältere Männer schön in einer Reihe aufgereiht. Als ob man damit suggerieren möchte, schaut mal, wie Viele wir sind, dabei hat der OV nur noch 15 Mitglieder.

Fazit

Die Öffentlichkeitsarbeit des DARC e.V. und weiter Teile der Amateurfunk-Community (Distrikte, Ortsverbände, Funkamateure) leidet unter großen strukturellen Defiziten, sie ist zu sehr binnenorientiert, reaktiv und zu wenig zielgruppengerecht. Der DARC e.V. kommuniziert fast ausschließlich über eigene Kanäle (Rundspruch, Website, OV-Newsletter), erreicht damit aber kaum Medien, junge Zielgruppen oder politische Entscheidungsträger.

Themen wie MINT-Förderung, EMV-Probleme durch Billiggeräte oder digitale Innovationen (SDR, KI-Chatbots wie HAMgpt) werden zwar intern diskutiert, aber nicht medienwirksam aufbereitet.

Der DARC e.V. kämpft mit Mitgliederrückgang, Haushaltsunterdeckung (−276.000 € für 2026) und einer alternden Basis, doch die PR reagiert darauf nur mit „geschönten Positivmeldungen“ zu Prüfungszahlen, ohne die eigentlichen Ursachen der Probleme (z.B. Überalterung und fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder, Einstiegshürden, Willkommenskultur, Antennenprobleme, usw.) offen zu adressieren.

Eine typische Vorgehensweise, wenn die Ideen ausgehen und es einfach nichts Positives zu berichten gibt!

Öffentlichkeitsarbeit wird ehrenamtlich und dezentral in den DARC e.V. Ortsverbänden gemacht, oft ohne Schulung und Expertise, klaren Botschaften oder Social-Media-Kompetenz. Das Ergebnis ist katastrophal und es wird immer schlimmer! Der DARC e.V. und viele Funkamateure reden vor allem miteinander, aber nicht mit der Außenwelt. Solange die PR nicht professioneller, zielgerichteter und mutiger wird, bleibt der Amateurfunk in der öffentlichen Wahrnehmung ein Nischenhobby des 20. Jahrhunderts.

Positiv geschönte Berichte mögen kurzfristig gut für das Image des Amateurfunks wirken, aber langfristig schaden sie der informierten Meinungsbildung, der Glaubwürdigkeit der Beteiligten und der Qualität des öffentlichen Diskurses.

Da fragt man sich doch, warum der Amateurfunk immer noch ein massives Nachwuchsprobleme hat, wenn doch immer alles so toll und positiv ist? Vermutlich besteht zwischen DARC e.V. Wunschdenken und Realität doch noch ein erheblicher "Gap"!


Picture KI generated - Das gelöste Nachwuchsproblem beim DARC e.V. in seiner Phantasie!

Wer sich aufgrund eines solchen Artikels dann im Amateurfunk oder dem DARC e.V. engagiert, stößt auf die Probleme, die im Artikel nicht erwähnt wurden (Kosten, Lernkurve, Machtkämpfe, regulatorische Hürden), und fühlt sich getäuscht. Wiederholt sich dieses Muster, sinkt die Glaubwürdigkeit sowohl des Mediums („Das ist ja schon wieder nur Werbung“) als auch der dargestellten Gruppe („Der DARC e.V. verheimlicht Probleme“).

Wenn immer nur die „rosigen“ Seiten gezeigt werden, melden sich vielleicht junge Menschen, die später schnell wieder aussteigen, weil die Realität ganz anders aussieht (Konflikte, Zeitaufwand, Kosten, technische Hürden). Und wenn diese "geschönten Positivmeldungen" dann manchmal noch als "Fake News" enttarnt werden, dann schließt sich der Kreis.

Auch der DARC e.V. hat interne Konflikte, Finanzierungsprobleme, Nachwuchsprobleme, usw. Wenn das nie objektiv und offen thematisiert wird, gibt es keinen Diskurs, solche Probleme anzugehen und wenn die Außendarstellung dauerhaft überhöht ist, führt das zu Frustration bei allen Beteiligten, weil solche Erwartungen nicht erfüllt werden können.

Mehr Schein als Sein beim DARC e.V.?

vy 73 de Jürgen
DL6WAB

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